Bindermichi

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Sein Oder Ich Sein

Yes, It's Really Me

By on 17. Juli 2010

Manchmal fühle ich mich ganz gut, alles läuft soweit ruhig und leicht von der Hand, bis mir plötzlich wieder die Brocken meiner Macken vor die Füße geworfen werden.

Zugegeben, einige meiner Angewohnheiten sind selbst für mich kaum zu erstragen. Trotzdem kann ich diese nicht einfach mal so ablegen. nicht weil ich das so will, sondern weil es verdammt schwer ist bestimmte Verhaltensweisen zu ändern.

Ich bin ungeduldig, leicht cholerisch (das war früher viel schlimmer), mische mich überall ein, weiß meist alles besser, halte mich krampfhaft an Vorschriften, muss immer alles perfekt machen und erzähle unglaublich schlechte Witze… auch wenn ich das selbst oft anders sehe muss ich vielen doch zustimmen und versuche es auch zu vermeiden mich so zu verhalten.

Aber so gut habe ich mich einfach nicht unter Kontrolle.

Am einfachsten war es die Wut zu unterdrücken. Wenn man bei jedem cholerischen Anfall Atem und Kreislaufprobleme bekommt, entschließt man sich sehr schnell etwas dagegen zu unternehmen. Seit dem ignoriere ich die meisten Provokationen, lenke mich anderweitig ab oder zähle langsam bis 10. Das funktioniert nicht immer, aber wenn es sein muss habe ich sogar meinen Wutanfall noch unter Kontrolle, und zerlege nicht gleich meine gesamte Umgebung in Einzelteile… was auch gut für meine Versicherung ist.

All das hat leider auch seine Schattenseiten. Durch den permanenten Drang meine Emotionen zu kontrollieren fühle ich mich oft wie Timm Thaler, der sein Lachen verkauft hat. Auf Partys, Hochzeiten, Beerdigungen und sonstigen Anlässen fühle ich mich manchmal alleine durch die Tatsache, so dermaßen deplatziert, dass ich, absolut emotionsfrei, den Tag/Abend mit Menschen verbringe, die mir eigentlich sehr viel bedeuten und mir solche Gelegenheiten gut gefallen.

Ein andere Punkt, den ich unbedingt mal unterdrücken zu lernen muss ist meine prinzipielle Hilfsbereitschaft. Es klingt zwar seltsam, aber anscheinend wollen viele Menschen einfach keine unaufgeforderte Hilfe, wenn es mal klemmt. Ok, das ist jetzt zu stark vereinfacht. Ich bin ein von Grund auf neugieriger Mensch, was positiver Weise dazu führt, dass ich gerne neues in mich aufsauge. Leider führt es auch dazu, mich schnell in Probleme anderer einzumischen, zwar aus dem Drang helfen zu wollen, aber eben auch unaufgefordert. Mich hier zurückzuhalten ist sehr schwierig und gelingt mir nicht sehr häufig. Scheint wohl mehr eine instinktive Handlung zu sein, bei der ich einfach viel zu schnell reagiere statt vorher darüber nachzudenken.

Wenn ich dann noch Erfahrungen, Erlebnisse oder Detailwissen einbringe hab ich mich mal wieder erfolgreich als Besserwisser und Klugscheisser etabliert.



4 comments on “Sein Oder Ich Sein

  1. Apropos anderen helfen: Habe soeben folgendes in The Toyota Way gelesen:

    „People who have not been to Japan may not understand that the objective is not to hurt the individual but to help that individual improve – not to hurt the program but to show the flaws to improve the next program. If you understand that deeply, you can get through the constructive criticism. No matter how good a program or presentation someone makes, we believe there is always something that can be improved, so we feel it is our obligation. It is not an ‚obligatory negative‘, but an obligatory opportunity to improve – it is the heart of kaizen.“

    1. Um ehrlich zu sein, wende ich schon seit geraumer Zeit genau diesen Teil von Kaizen auf mich selbst an. Es ist zwar ein schwieriger Prozess, vor allem wenn dir keiner sagt, was genau jetzt gestört hat, aber es hilft bei der Verarbeitung der Kritik.

  2. Apropos anderen helfen: Habe soeben folgendes in The Toyota Way gelesen:“People who have not been to Japan may not understand that the objective is not to hurt the individual but to help that individual improve – not to hurt the program but to show the flaws to improve the next program. If you understand that deeply, you can get through the constructive criticism. No matter how good a program or presentation someone makes, we believe there is always something that can be improved, so we feel it is our obligation. It is not an 'obligatory negative', but an obligatory opportunity to improve – it is the heart of kaizen.“

  3. Um ehrlich zu sein, wende ich schon seit geraumer Zeit genau diesen Teil von Kaizen auf mich selbst an. Es ist zwar ein schwieriger Prozess, vor allem wenn dir keiner sagt, was genau jetzt gestört hat, aber es hilft bei der Verarbeitung der Kritik.

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