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Das Rad mal wieder neu erfinden

De-Mail

By on 7. Februar 2010

Jedes mal, wenn ich etwas über das geplante De-Mail Dingensbummens höre will ich mit dem Kopf heftig gegen eine Wand rennen.

Der Plan soll wohl so aussehen, das “offizielle” Emails über ein “Bürgerportal” zugänglich sind und über “zertifizierte” Anbieter versendet werden können. Derzeit die Post, 1&1 und die Spamschleuder GMX.

Jeder Bürger wird sich also früher oder später eine solche Email Adresse von einem dieser Anbieter kaufen müssen (Jep, die kostet Geld) um “offizielle” Emails senden und Empfangen zu können. Je Email soll dann nochmals über ein Porto bezahlt werden. So jedenfalls der Plan.

Mir drängen sich da gleich dutzenden Fragen technischer und organisatorischer Natur auf. Hier mal ein kleiner Abriss:

  • GMX? Der Mailhoster, bei dem eine der Welt völlig unbekannte Email Adresse innerhalb von Tagen mit Spam förmlich überschüttet wird.
    Die Post? Die schon mit ihrem ePost Programm (bei dem ich auch eine Adresse mit Postident hatte) so richtig Baden ging und den Dienst nach kurzfristiger Ankündigung einstellte?
  • Warum wird das notwendige Zertifikat nicht einfach in die neuen elektronischen Pässe eingebettet, dann könnte ich dieses auch für signierte Bankgeschäfte nutzen?
  • Warum bestimmt man nicht einfach eine Zertifikatsstelle für die Ausgabe von Personalisierten Email-Zertifikaten. Die würden dann mit allen Email-Clients funktionieren, die S/MIME unterstützen, und der sichere Versand würde sich nicht auf “offizielle” Kommunikation beschränken.
  • Noch ein Portal? Na die meisten Unternehmen werden sich bedanken (durchaus sarkastisch gemeint). Gibt ja wirklich nichts einfacheres wie den Großvolumigen Versand von Daten über eine Weboberfläche. Vor allem, wenn man sich keine automatisierte Softwarelösung leisten kann um auf die (bestimmt nicht vorgesehene) Kommunikationsschnittstelle des Portals zuzugreifen.

Und mal so ganz generell: 0,20€ für eine signierte Email? Ich weiß ja nicht was die Herren da geraucht haben, aber wenn ich kein Nichtraucher wäre hätte ich davon auch gerne was.

Gut, die völlig überflüssige Implementierung eines solchen Portals samt Zertifikatsstelle und so weiter kostet die Beteiligten natürlich Geld, das wieder eingenommen werden muss. Aber warum muss man in diesem Land ständig alles neu erfinden, was es vorher oder woanders schon gibt?

Das beste Bespiel wohin das führt ist wohl der ICE. Der Bahn war der TGV nicht “gut” genug und hat daher den teureren, langsameren und weniger zuverlässigeren ICE bei Siemens in Auftrag gegeben. Und während sich der TGV weltweit wie geschnitten Brot verkauft, bleibt Siemens meistens auf dem ICE sitzen, oder verkauft mal ein paar Modelle nach Russland. Damit bezahlt jeder Steuerzahler die eigentlich überflüssige Entwicklungskosten über die Bahn an Siemens.

Nichts anderes wird mit der De-Mail passieren. Außer den Versandunternehmen und den implementierenden IT Dienstleistern wird niemand von diesem System profitieren können.

Die Post redet von Einsparungen in Millionenhöhe bei den Unternehmen durch den Versand von elektronischen Briefen, ohne zu realisieren, das ich meine Telefonrechnungen seit Jahren völlig unsigniert per Email zugeschickt bekomme. Billiger können die Unternehmen diese gar nicht versenden!

Am interessantesten finde ich noch den Punkt der Authentifizierung. Diese erfolgt mittels Postident und ist damit wieder eine Einnahmequelle für … die Post. Überhaupt ist wohl die Post, der einzige Profiteur dieses ganzen Systems. Sie verdient an wirklich jedem einzelnen Punkt der Versandkette. Aber nach den Erfahrungen mit ePost.de habe ich wirklich keinen Grund noch einmal eine Email Adresse bei der Post zu wollen.

Offizielle DE-Mail Seite
DE-Mail Pilotprojekt Seite

Offizielle Bürgerportal Seite



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