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Flickrs Abstieg – Gedanken eines Kunden

By on 15. Januar 2017

Nach etwas über 10 Jahren scheint langsam wirklich die Luft aus dem Fotonetzwerk raus zu sein. In den letzten Jahren musste ich, für meinen Account, unter anderem, immer weiter sinkende Views und Interaktionen  feststellen.

Den ersten, dramatischen Einbruch konnte ich nach meiner kleinen Auseinandersetzung mit Flickr deutlich in den Statistiken sehen. Nachdem meine Fotos für fast 3 Wochen nicht vollständig erreichbar waren, wurden in dieser Zeit alle toten Links aus diversen Websites entfernt. Auch wenn sich die Zugriffe auf einige Fotos wieder erholten sank meine gesamte Statistik um fast 70% für tägliche Zugriffe.

Vor allem ältere Bilder wurden nicht erneut in Linksammlungen oder Gallerien aufgenommen.

Aber neben meinen persönlichen Rückschritten in Netzwerk gibt es auch andere Entwicklungen, welche hier dramatischere Auswirkungen auf alle Nutzer habe. Vor zwei Monaten beschloss ich meine Kontakte einer kleinen Hygieneaktion zu unterziehen. Dabei entfernte ich alle Kontakte, welche in den letzten 6 Monaten keine Aktivität gezeigt hatten (Kommentare, Posts, Diskussionen). Es handelte sich um über 40% meiner, teilweise langjährigen Kontakte.

Gleichzeitig wird es immer schwerer, neue und interessante Kontakte zu finden. In den meisten Gruppen sind die einzigen aktiven Kommentar Threads Promote und Push Content um entweder Views oder Favorites zu sammeln. Kritikgruppen sind inzwischen entweder verweist oder klopfen sich gegenseitig auf die Schultern: „This is amazing!“ „Good Job“. Einzig die Stickersammler (Gruppen, bei denen alle Kommentare mit dämlichen Link-Logs der Gruppe versehen werden müssen) sind nicht tot zu kriegen.

All das kann ja noch erträglich sein, wenn, ja wenn Flickr keine Kamera und Postfunktion in die Mobile App eingebaut hätte. Seitdem sehe ich immer mehr Bilder, die einfach über alle Social Media Plattformen gestreut werden, ohne dabei auf Inhalt und Nutzergruppe zu achten. Inzwischen führt es zu sehr interessanten Effekten auf Explore, diesem Mystischen Algorithmus, welcher die „Guten“ von den „Schlechten“ Fotos trennt und die richtigen Tollen auf einer separaten Seite anzeigt: Flickr Explore

Wenn das denn noch funktionieren würde. Wenn die User Flickr als den Abfalleimer von Instagram und Snapchat benutzen, leidet auch die Auswahl von Explore unter einer Schwemme von quadratischen Telefon-Fotos mit übertriebenen Instagram und Hipstamatikfiltern.

Kleines Beispiel? Das folgende Foto war heute in Flickr Explore zu sehen:

Ya Lun: "Mama brought me out to say Hewwo!" Capture 10:31 AM EST

Ok, Pandas sind manchmal niedlich. Aber ein schlechter Screenshot einer Webcam mit Copyright Vermerk und über 160 Favorites auf Flickr Explore? Daneben Schnappschüsse der Familie, der eigenen Vögel oder der Strasse vor der eigenen Haustüre. Die, immer noch vorhandenen, wirklich guten Fotos, gehen inzwischen völlig in diesem Chaos unter. Damit ist Explore, für mich, als Inspirationsquelle völlig unbrauchbar geworden. 

Schauen wir doch mal über den Tellerrand. 500px hat auch eine Mobile App. Diese kann auch Fotos schiessen und hochladen. Trotzdem sieht die Popular Kategorie immer noch so aus:

Ich hänge noch einen vollständigen Screenshot für beide an, damit es deutlicher sichtbar wird. Während bei Flickr die Qualität in den ersten Zeilen noch OK ist, lässt sie danach drastisch nach. 500px hält hier eine recht konstante Qualität.

Aber warum?

Zumindest für 500px kann ich das Auswahlverfahren nachvollziehen. Alle Fotos werden über ein Ranking des „Pulse“ Wertes zugeteilt. Dieser setzt sich aus dem Verhältnis von Views, Likes, Kommentaren über Zeit zusammen. Ein hochgeladenes Foto landet erst einmal im Ranking auf „New“. Steigt der Puls in einer gewissen Zeit über 50 wird das Fotos auf „Upcoming“ eingestuft, mit 80 auf „Popular“.

Im Gegensatz zu Explore, dass niemand wirklich erklären und nachvollziehen kann, bietet Pulse eine plausible Basis, welche durch die Nutzer bestimmt und beinflusst werden kann. Solange die Community, für sich, den Anspruch auf qualitativ hochwertige Arbeiten hält, werden weniger hochwertige Fotos eher selten unter Popular zu finden sein.

Aber zurück zu Flickr.

Wie sich der Verkauf von Yahoo! und damit auch Flickr auf die Community auswirken wird, bleibt abzuwarten. Eher unwahrscheinlich ist, dass sich die durchschnittliche Qualität in Explore wieder verbessern wird. Zum einen warum die Urlaubs- und Familien-Schnappschüsse schon immer auf der Plattform zu finden, zum anderen erzeugt deren Referenzierung über andere Netzwerke, wie Instagram, für mehr Zulauf und Likes. Die Push-Gruppen sorgen dann für die nötige Menge an Kommentaren und Aufrufen um das Ranking dieser Fotos zu verbessern.

Letztendlich wird sich Flickr neben Photobucket und Fotocommunity, als veraltetes und nicht mehr relevantes Netzwerk für Amateurfotografen einreihen und langsam weiter sterben. Ausser jemand zieht vorzeitig den Stecker.

Explore zu Popular Vergleich:


Flickr Explore

500px Popular


One comment on “Flickrs Abstieg – Gedanken eines Kunden

  1. Also ich habe den Stecker schon lange gezogen… aber eher deswegen, weil Yahoo! ein Drecksladen ist: 1. sich zig Millionen Accounts klauen lassen und 2. Mails scannen und eine Hintertür für NSA & Co. anbieten.

    Da scheisse ich auf die Fotos und lösche alles!

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